Text: Dr. Helen Adkins

 

Miray Seramet (*1971 Krefeld) ist deutsch-türkischer Abstammung, hat Textil-Design studiert und macht klassischen Tanz. Diese Eckpunkte sind zentrale Themen für die Künstlerin: die Suche nach einem Ausdruck für die zweiteilige Identität sowie der Bezug zur eigenen Körperlichkeit werden in textilen Objekten und Bildern sowie Fotos und Projektionen zur Sprache gebracht.

Garn, Stoffe und Kleidung betrachtet Seramet als Symbolträger für Geschlechterrollen, aber auch für die eigene Identität, zwischen türkischer Tradition und modebewusster deutscher Frau. Die Strickmaschine ist ihr Werkzeug u.A. für die Verbindung von Maurerschnur und Nylons, eine allegorische Verstrickung zwischen Mann und Frau. In Den 20 verbindet Seramet hautfarbene Nylons, eine zweite weibliche Haut, schöner, dezenter und zugleich erotischer als nackte Haut mit kräftiger Maurerschnur, farbig und rau, ohne dass die scheinbar so zarten Nylons reißen. Es entstehen poetische Kollektionen, die eine konzeptionelle Vorgehensweise und extravagante Modekreationen verschränken.

Nylonstrümpfe – auf großformatige Leinwände angebracht, in Muster-Kartons oder als Soft-Objekte an der Wand präsentiert – kommen in fast allen Arbeiten vor. Die Nylons werden auf ihre Reißfestigkeit und Dehnbarkeit geprüft, ihre getragene und ungetragene Form untersucht, und als Collage gezeigt. Das besondere Kolorit wird hervorgehoben, sie werden mit Schafswolle gestopft und zu Brust-Penissen oder Vulva-artigen Knospen geformt. Gretchen in der Stube zeigt eine Reihung von androgynen Geschlechtsteilen, Zwitter zwischen Sexshop-Zubehör und sanftem Kuscheltier. Soft and Strong ist ein Fotoarbeit bei der flauschige, erotisch anmutende Ausschmückungen der Nylons, wie von einer Performance stammend, an der Künstlerin zu sehen sind.

Voller Humor und doch mit ernster Hinterfragung sprechen die Arbeiten das Thema der Liebe an.